Chronik

Aus der Geschichte von Einhart

 

Der Name „Einhart“ (Imhart) der „im Wald“ bedeutet, lässt auf eine alemannische Siedlung schließen. Die Anfänge der Siedlung lassen sich nicht nachweisen, der Ort Einhart wird jedoch im Jahre 1220 erstmals urkundlich erwähnt. Der Name des Dorfes war ständiger Änderung unterzogen. Jgenhart, Inhart, Ynhart bis hin zu Ainhart oder Ainert ziehen eine sprachliche Spur hin zum heutigen Namen Einhart.

Die Besitzer des Ortes wechselten im Laufe der Geschichte häufig. Ältester Besitzer war das Münster Konstanz um 1220, die Grämlich von Pfullendorf besaßen den Ort ca. 300 Jahre bis zum Ende 16. Jahrhundert hinein. 1603 wurde der Ort mit päpstlicher Erlaubnis mit allen Rechten, mit Groß- und Kleinzehnten, mit der Mühle und dem Mühlrecht, der Taferne, den Leibeigenen, den Höfen mit Feldern, Wiesen, Bächen, Renten, Geboten und Verboten an das Kloster Salem verkauft, zu dem es bis 1802 gehörte. 1803 kam Einhart zum Fürstentum Thurn und Taxis, 1806 zum Fürstentum Sigmaringen.

Aus der Zeit des 16. Jahrhunderts wissen wir, dass das Dorf Einhart an „jung und alt“, an „Mann- und Weibspersonen“ 186 Leibeigene zählte. Ferner gab es zu dieser Zeit in Einhart 14 Bauernhöfe und 20 Söldnerwohnungen, darunter 6 Häuser mit je 3 Wohnungen. Aus der Chronik 1839 erfahren wir, dass man den Hausnamen Vogelnamen zuordnete. Der „Schwanen“ und der „Spatzen“ haben sich fast bis in die Gegenwart als Wirtshausnamen halten können. Leider haben sich mit den Namen auch die Wirtsleute verabschiedet, so dass die Einharter seit 2002 ohne eine Gaststätte auskommen müssen.

Um die Kriegsgefahr während der napoleonischen Kriege abzuwenden, unternahmen die Einharter mehrere Wallfahrten. Die Schlacht von Ostrach 1799 konnte so aber nicht verhindert werden.

Johannes Rothmund, Bürgermeister von 1796 bis 1822, war ein ganz gewissenhafter und sorgfältiger Schultes. Gleich in seinem ersten Dienstjahr hat er 14 Bürgerversammlungen abgehalten. Man kann davon ausgehen, dass im Dorf zu seiner Zeit eine große Transparenz bezüglich des politischen und gesellschaftlichen Lebens herrschte.

Der Zustand des Schulhauses um 1870 war äußerst bedenklich. Im Schulprüfungsbericht schreibt man damals: „Wenn Schulhaus und Schulstube an sich schon unansehnlich und nicht im Mindesten zweckentsprechend sind, so wäre doch zu hoffen, dass die auf zwei Seiten durch die Mauer gebrochenen großen Löcher, durch welche Wind und Kälte unmittelbar an die Füße der Kinder ziehen, verschlossen würden, damit wenigstens die Gesundheit derselben nicht leidet.“ So wurde endlich um 1883 das Schul- und Rathaus erbaut.

Die Baukosten betrugen 10500 Mark. Das an gleicher Stelle stehende alte Haus wurde abgerissen und die Materialien zum Teil beim Neubau wieder verwendet.

Wenn man den Zustand des altehrwürdigen Schul- und Rathauses im Jahr 2004 betrachtete, wiederholte sich die Geschichte. Die Risse im Mauerwerk zeugten davon. Der Schulbetrieb wurde 1980 eingestellt. Letzter Lehrer in Einhart war Herr Andelfinger aus Habsthal.

Auch der erste und zweite Weltkrieg gingen in Einhart nicht spurlos vorüber. So fielen zehn Einharter Männer im ersten Weltkrieg. Ebenso zehn im zweiten Weltkrieg, wobei noch weitere zehn als vermisst gelten.

1974 war das Jahr der Gemeindereform. Die selbständige Gemeinde Einhart wurde in die Gemeinde Ostrach eingegliedert. Aus einem Gemeinderat Einhart wurde ein Ortschaftsrat Weithart, verantwortlich für die Dörfer Levertsweiler, Habsthal und Einhart, aus einem Bürgermeister ein Ortsvorsteher.

Josef Briem, seit 1966 Bürgermeister von Einhart, übernahm 1974 das Amt des Ortsvorstehers, das er bis 2004 innehatte. In seiner Amtszeit entstand im Dorf ein reges Vereinsleben. Die neu gegründeten Vereine Landjugend, Burrenweiblezunft, Fanfarenzug bieten noch heute zur bestehenden Feuerwehr und dem Kirchenchor ein vielseitiges Freizeitangebot für jung und alt.

Mit dem Bau vom Weithartsaal 1978 erhielten Vereine und Bürger ein Haus, in dem sie ihre Kultur, ihre Feiern und Feste pflegen können. Die Molke wurde zum Proberaum des Fanfarenzuges hergestellt, die Gefrieranlage wurde zu einem gemütlichen Zunftheim und die Viehwaage zu einem Sanitärraum umgebaut.

Aus der Kiesgrube gestalteten die Einharter 1990 einen urigen Festplatz besonderer Güte. Alljährlich findet dort das zur Tradition gewordene Bergfest statt.

Im September 2004 übernahm Alois Müller das Amt des Ortsvorstehers. Unter seiner Regie wurde das alte Schulhaus, das 121 Jahre bestand, abgerissen und ein neues Bürgerhaus errichtet, das im Juli 2006 eingeweiht wurde. Vereine und deren Mitglieder unterstützten dieses Projekt mit immensen Eigenleistungen und trugen erheblich dazu bei, dass seither ein schmuckes Gebäude mit einladender Außenanlage das Zentrum von Einhart ziert.

In Einhart lässt es sich gut leben. Von 386 Bewohnern finden im Ort bei fast zwanzig gewerblichen Betrieben ca. 50 Menschen ihre Arbeit und ihren Lebensunterhalt. Fünf Agrarunternehmer und zwei Nebenerwerbslandwirte bebauen und pflegen die Landschaft um das Dorf „Eiat am Roi“ über dem Ostrachtal.

Dieses so rührige Dorf mit seinen Menschen möge auch in Zukunft sein Selbstbewusstsein bewahren um kraftvoll die Heimat gestalten zu können. Auf die heimatlichen Wurzeln schauend, mögen jung und alt die Gemeinschaft und die Dorfkultur angemessen pflegen und weiterentwickeln in Dankbarkeit und Achtung.

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